👩‍💼👨‍💼Fühlst du dich schon als das, was du bist?

Es hat nach meinem Studium ungefähr ein halbes Jahr gedauert, bis ich nicht mehr den Impuls hatte, mich als Praktikant oder Student vorzustellen. Während des Studiums war ich so daran gewöhnt, mit den „richtigen“ Ärztinnen und Ärzten mitzulaufen und mich als Student zu fühlen, dass ich danach noch gar nicht die Veränderung realisiert hatte.
Selbst als ich schwarz auf weiß meinen Abschluss in der Hand hatte, war mein Gefühl noch immer nicht hinterhergekommen.

🔄 Was hatte das zur Folge?
Ich habe mich meinem Gefühl entsprechend verhalten. Ich habe anfangs oft gezögert, die Initiative zu ergreifen. Ich habe in manchen Situationen erst später realisiert, was eigentlich meine Aufgabe gewesen wäre. Ich war unsicher darin, was ich darf und kann. Gerade als junger Arzt oder junge Ärztin wird man gerne aufgrund des ggf. jugendlichen Aussehens infrage gestellt. Das trifft sicherlich auf viele Berufszweige zu. Das kann zusätzliches Öl ins Feuer oder Wasser auf die Mühlen der eigenen Selbstunsicherheit sein.

„Könnten Sie mal die richtige Ärztin holen?“ oder „Wie alt sind Sie eigentlich, wenn ich fragen darf?“

„Ohje, ertappt!“, dachte ich damals manchmal, „Ich gehe mal kurz den richtigen Arzt holen.“.

🍀Zum Glück hat mich mein Namensschild dann schnell wieder an die Realität erinnert:
„Ich bin ja schon der richtige Arzt!“. Heutzutage begegne ich solchen Nachfragen gelassen, obwohl ich ohne Bart vermutlich noch immer aussehen würde wie 18.

Selbstwertaufbau durch Übernahme deiner Rolle

Nach bestimmten Lebensabschnitten braucht es einfach etwas Zeit, um in die neue oder veränderte Rolle hineinzufinden. Mit einem besseren „Selbstbewusstsein“ und einer Achtsamkeit dafür kann eine solche berufliche Transition aber gut gelingen. So schaffst du es, dass dein Kopf, dein Gefühl und dein Auftreten auch zu dem passen, was in der Berufsbezeichnung oder auf deinem Namensschild steht. Dieses Phänomen trifft natürlich nicht nur auf das Berufsleben zu. Spannungen dazwischen wie man sich (noch) wahrnimmt und wie man denkt, sein zu sollen, können für Spannung und Unzufriedenheit sorgen.

Stell dir vor, du möchtest ein neues, richtig vielversprechendes Computerprogramm starten, aber dein PC läuft noch auf Windows 95.
Das passt nicht zusammen! Höchste Zeit also für ein Software-Update.

Während ich diesen Beitrag schreibe, befinde ich mich schon wieder in einer solchen Übergangsphase. Auf LinkedIn möchte ich nicht in meiner ärztlichen Funktion auftreten, sondern mehr Erfahrung als Unternehmer sammeln. Fühle ich mich schon als waschechter Entrepreneur? Keineswegs! Aber irgendwann wird es mit Sicherheit so weit sein.

Fühlst du sich schon als das, was du bist?
In welcher Lebensrolle steckst du vom Gefühl her noch in der Vergangenheit fest?
Woran würdest du erkennen, dass du in deiner neuen Rolle angekommen bist?
Was würde dir helfen, dir selbst die innere Erlaubnis dafür zu geben?

selbstvertrauen rollenwechsel verantwortung