Das Imposter-Syndrom: Du wurdest ertappt oder wie man mit Selbstzweifeln umgeht. Unsere 7 Tipps

Einführung:
Immer öfter hört man den Begriff “Imposter-Syndrom”, und vielleicht hast du dich selbst schon einmal dabei ertappt, daran zu zweifeln, ob du wirklich die Erfolge und Fähigkeiten verdient hast, die du vorweisen kannst. Das Imposter-Syndrom beschreibt das anhaltende Gefühl, als Hochstapler oder Täuscher enttarnt zu werden, obwohl objektive Erfolge vorliegen. In diesem Artikel werden wir das Phänomen genauer beleuchten und Tipps für einen gesunden Umgang damit geben.

**1. Was ist das Imposter-Syndrom?**

Das Imposter-Syndrom betrifft Menschen auf allen Ebenen, vom Praktikanten bis zur Chefetage. Es äußert sich durch anhaltende Selbstzweifel, das Gefühl der Unwürdigkeit trotz Erfolgen und die Angst, als Hochstaplerin entlarvt zu werden. Viele erfolgreiche Menschen haben mit diesem Phänomen zu kämpfen, und es ist wichtig zu verstehen, dass es sich nicht um eine Krankheit, sondern um ein normales Erleben handelt.

**2. Die häufigsten Merkmale des Imposter-Phänomens:**
  • Anhaltendes Gefühl von Unwürdigkeit
  • Zweifel an den eigenen Kompetenzen und Erfolgen
  • Ständige Angst vor Enttarnung
  • Vermeidung von Selbstbloßstellung
  • Erhöhte Leistungsbereitschaft und Perfektionismus
**3. Der Teufelskreis des Imposter-Syndroms:**

Das Imposter-Phänomen entsteht oft aus einem Gefühl der Unzulänglichkeit. Menschen neigen dazu, mehr Arbeit und Leistung zu erbringen, um ihre vermeintlichen Mängel zu kompensieren. Dies führt jedoch oft zu Überforderung und Unzufriedenheit. Eine Lösung kann dabei in der regel nur außerhalb dieses Teufelskreises entstehen und nicht durch mehr Leistung oder allein durch messbare Erfolge. Der Teufelskreis wird oftmals von der Grundannahme angetrieben, nicht genug zu sein, so wie man ist.

Imposter-Syndrom Teufelskreis

Imposter-Syndrom Teufelskreis Grafik

**4. Strategien für einen gesunden Umgang mit dem Imposter-Syndrom:**

*Tipp 1: Der richtige Zeitpunkt*
Frag dich, ob du wirklich schon etwas an deinem Selbstbild oder an dem Imposter-Gefühl verändern möchtest. Vielleicht stehst du gerade erst am Anfang deiner Reise und dieses Gefühl kann sehr angemessen und wichtig sein, Akzeptiere zunächst deine Gefühle und erkenne an, dass sie menschlich sind.

*Tipp 2: Dafür und nicht dagegen*
Betrachte das Imposter-Phänomen nicht als Feind, sondern als Motivator für persönliches Wachstum. Frage dich, welche Strategien dir helfen könnten, damit umzugehen, anstatt es zu bekämpfen.

*Tipp 3: Du selbst bist die beste Lehrmeisterin*
Reflektiere, wie du bisher mit Selbstzweifeln umgegangen bist. Nutze bereits vorhandene Strategien und baue darauf auf.

*Tipp 4: Ein heiteres Lachen an finsteren Orten*
Setze Humor ein, um die Absurdität der Imposter-Gedanken zu erkennen. Übertreibe sie, um ihre Unwahrscheinlichkeit aufzuzeigen.

*Tipp 5: Durch welche Augen guckst du gerade?*
Verändere deine Perspektive und frage dich, wie relevant deine aktuellen Gedanken in der Zukunft sein werden oder nutze Perspektivwechsel, um die Bedrohlichkeit zu reduzieren. Perspektivwechsel und Gedankenspiele können ebenso wie Humor helfen, dir einen anderen Blick auf die Dinge zu geben.

Ich möchte dir im Folgenden ein paar Angebote machen, die sich als wirksam erwiesen haben. Du selbst entscheidest, welche davon für dich persönlich am meisten Resonanz erzeugen:

  • Du darfst Schülerin oder Schüler sein, anstatt Lehrmeister oder Lehrerin des Lebens.
    Dazu gehört es, neugierig zu betrachten, aufmerksam lernen zu dürfen, Fehler zu machen, zu wachsen und sich zu entwickeln. Anstatt den Anspruch zu verfolgen, alles perfekt machen zu müssen, beinhaltet deine Herangehensweise eher Versuche, Experimente und Hypothesen, die es zu überprüfen gilt.
  • Einen Tag vor deiner Rente blickst du zurück: 40 Jahre nicht als Hochstaplerin/Täuscher entlarvt worden, herzlichen Glückwunsch! Und nebenbei noch zuverlässige Arbeitsergebnisse abgeliefert.
    -Was verändert sich in diesem Rückblick?
    -Wie bedeutsam wären deine momentanen Gedanken in 5, 10, 20 oder 40 Jahren?
    -Würde es einen Unterschied machen, ob du 40 Jahre lang deine Kompetenzen „wirklich gehabt hast“ oder „nur vorgetäuscht“ hättest mit guten Ergebnissen und zur Zufriedenheit anderer?
  • Gäbe es jemanden in derselben Gruppen von Menschen/ in dem Setting/ der Umgebung, in der du dich als fremd oder unpassend empfindest, dem es genauso gehen würde wie dir.                                                                                                                                                                                     -Wie würdest du mit dieser Person umgehen, damit sie sich besser fühlt?
    -Was würde die Person dafür brauchen, um sich zugehörig oder integriert zu fühlen?
    -Wie würdest du sie ansprechen oder ermutigen?
  • Imposter zu Ende gedacht:
    Wer hätte es überhaupt verdient, hier zu sein? Wer gehört wirklich dazu und was hat diese person dafür getan? Wenn ich mich trotz all meiner bisherigen Erfahrungen und Fähigkeiten hier fremd und fehl am Platze fühle, wann wäre denn der glorreiche Zeitpunkt erreicht, dass ich hier her gehöre?

Option A): Niemals. -> Super, dann kann ich das Gefühl ja einfach wie eine Art lästiges Haustier betrachten, aber trotzdem in Ruhe meine Arbeit machen. Dann ist es ja ohnehin egal, was ich mache oder wie ich es mache.

Option B): Erst wenn ich xy erreicht habe. -> Super, dann komme ich ja mit meiner Arbeit einen Schritt näher an dieses Ziel. Mehr könnte ich also gar nicht machen, um xy zu erreichen als das, was ich schon tue.

*Tipp 6: Kommunikation. Kommunikation. Kommunikation.*
Teile deine Gefühle mit anderen. Du wirst überrascht sein, wie viele Menschen ähnliche Gedanken haben oder die Gefühle, die mit dem Imposter-Phänomen verbunden sind, kennen. Tausche dich mit deinen Kolleginnen und Kollegen aus, sprich in deinem Freundeskreis darüber und hole dir Tipps, Ratschläge oder einfach einen mitfühlenden Austausch mit anderen Menschen ein. Aber VORSICHT! Du könntest dabei noch aus Versehen anderen Menschen helfen und ihnen das Leben leichter machen, die auch gerade irgendwo sitzen und diese Gedanken mit sich allein austragen.

*Tipp 7: Na gut, hier hast du deinen Journal-Tipp*
Führe täglich ein Journal, in dem du deine Imposter-Gefühle reflektierst.

1) In welchen Momenten habe ich mich heute als Imposter gefühlt? (Unwürdig, fehl am Platze, wie eine Hochstaplerin etc.)
2) Welche konkrete Situation hat dieses Gefühl ausgelöst?
3) Welche Gedanken haben heute dieses Gefühl begleitet? Welche Glaubenssätze stehen dahinter?
4) Welche 1-3 Gründe sprechen dafür, dass dieser Glaubenssatz weiterhin berechtigt ist?
5) Welche (mind. ein Grund mehr) 2-4 Gründe oder Tatsachen sprechen dagegen oder stellen das infrage? Alternativ kann man sich fragen: Was könnten hilfreiche oder entlastende Gedanken sein?

Beispiel:
1) In welchen Momenten habe ich mich heute als Imposter gefühlt?

Heute im Meeting habe ich mich fehl am Platze gefühlt und gehofft, keiner würde mich ansprechen. Ich habe unter all den qualifizierten Leuten doch gar nichts zu suchen.

2) Welche konkrete Situation hat dieses Gefühl ausgelöst?

Meeting, andere präsentieren ihre Ergebnisse, ich könnte etwas gefragt werden

3) Welche Gedanken haben heute dieses Gefühl begleitet? Welche Glaubenssätze stehen dahinter?

Ich könnte mich blamieren. Sie könnten rausfinden, dass ich unqualifiziert bin.
Ich weiß nicht genug.
Glaubenssatz: Ich bin nicht gut genug.

4) Welche 1-3 Gründe sprechen dafür, dass dieser Glaubenssatz weiterhin berechtigt ist?

Ich habe erst zwei Jahre Berufserfahrung.
Ich bin die Jüngste im Unternehmen.
Ich wurde schon einmal etwas im Meeting gefragt und wusste die Antwort nicht.

5) Welche (mind. ein Grund mehr) 2-4 Gründe oder Tatsachen sprechen dagegen oder stellen das infrage? Alternativ kann man sich fragen: Was könnten hilfreiche oder entlastende Gedanken sein?

Meine Vorgesetzten finden es überhaupt nicht schlimm, wenn man etwas nicht sofort weiß.
Ich schreibe mir immer auf, was ich nicht wusste und lese es später nach.
Ich habe immerhin schon zwei Jahre Berufserfahrung und weiß schon sehr viel mehr als am Anfang.
Die anderen wissen manchmal auch keine Antwort auf Nachfragen.
Ich habe eine Berechtigung hier zu sein, da ich meine Arbeit gewissenhaft mache und meine Vorgesetzten mit meiner Arbeit zufrieden sind.
Ich bin nicht nur „meine Arbeit“ oder mein Wissen, mich macht als Person noch sehr viel mehr aus.

**Fazit:**
Das Imposter-Syndrom ist weit verbreitet, aber es gibt Strategien, um damit umzugehen. Es ist wichtig zu erkennen, dass Selbstzweifel menschlich sind, und dass persönliches Wachstum oft aus solchen Herausforderungen entsteht. Nutze diese Tipps, um das Imposter-Phänomen nicht als Hindernis, sondern als Chance zu sehen, dein eigenes Potenzial zu erkennen und zu entfalten. Trotzdem sollten diese Gefühle und Gedanken dich nicht dauerhaften lähmen oder nachhaltig belasten. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, sich professionelle Unterstützung zu holen – ein Coaching oder im Zweifesfall psychotherapeutische Hilfe.